Altes Handwerk, moderner Kundenservice – so profitieren Tischler von der Digitalisierung

Bei kaum einem anderen Beruf liegen Tradition und Fortschritt so nah beieinander wie beim Tischler. Doch oftmals finden sich neue Technologien nur in der Werkstatt – dabei profitieren Tischlereibetriebe auch im Kundenservice von der Digitalisierung.

Ein angenehmer Holzduft empfängt uns beim Besuch in Sarah Bernhardts Tischlerei, eine von über 37.000 in Deutschland. Im Eingangsbereich hängen alte Feilen, Hobel und verschiedene Beitel an der Wand – sie erinnern an die alte Handwerkstradition dieses Berufs. Sie war es auch, die Sarah schon als Jugendliche faszinierte: „Ich liebe einfach den Umgang mit Holz. Jedes Stück ist anders gemasert, hat eigene Farbnuancen – und man kann so individuelle Produkte damit erschaffen.“

Ein paar Schritte weiter wird jedoch klar, dass auch das Tischlerhandwerk längst in der digitalen Gegenwart angekommen ist. In der Werkstatt von Sarahs Tischlerbetrieb stehen CNC-Maschinen, die auf den Millimeter genau Bohrungen setzen und Aussparungen für Treppenbeschläge ins Holz fräsen. Ein Kollege hat zuvor am Computer mit einer CAD-Software eine individuelle Treppe gezeichnet. Die Daten werden anschließend an die Maschinen übermittelt. Selbst der Verschnitt lässt sich mithilfe von Software heute auf ein äußerst niedriges Niveau reduzieren. „Mein Vater hatte schon früh in moderne Maschinen investiert, deshalb sind wir heute wirklich gut aufgestellt, um Möbel und Treppen nach Maß wirtschaftlich sinnvoll fertigen zu können“, erzählt Sarah.

Aufträge in wenigen Klicks anlegen und effiziente Touren planen

Was jedoch fehlte, war ein digitales Tool zum Organisieren des Kundenservices. Und der ist für eine Tischlerei fast genauso wichtig wie die Qualität des Holzes. Denn einzigartige Produkte erfordern auch individuelle Absprachen sowie Aufmaße und Montagen vor Ort. „Die ganze Organisation dieser Termine hat früher viel Zeit gefressen. Immerhin arbeiten bei uns 16 Tischler, acht davon sind regelmäßig unterwegs bei unseren Kunden. Viele Anrufe, viele Zettel – da ging auch schon mal ein Termin unter“, erinnert sich Sarah.

Vor zwei Jahren wagte sie die Digitalisierung ihrer Auftragsplanung. Sie investierte in eine cloudbasierte Handwerkersoftware, die ohne große IT-Kenntnisse sofort auf allen Geräten verfügbar und aktuell ist – egal ob als App auf dem Smartphone der mobilen Tischler oder am Rechner im Büro. Dort koordiniert eine Kollegin alle einkommenden Aufträge und trägt sie in wenigen Schritten in die Software ein. Jeder Auftrag ein Ticket, bei Stammkunden sind gleich alle Daten da – das spart viel Zeit. In einem übersichtlichen Online-Kalender kann sie sehen, wie die Tischler bereits eingespannt sind und wer an dem Tag schon in der Nähe unterwegs ist. Auf diese Weise plant die Kollegin für jeden Tag gut abgestimmte Routen für alle Tischler. Ändert sich spontan etwas, verschiebt sie das Ticket per Drag & Drop. Der jeweilige Tischler erhält dann sofort eine Push-Nachricht auf seinem Smartphone und weiß Bescheid.

Schneller Rechnungen stellen und Azubis überzeugen

Die Software macht aber nicht nur die Auftragsplanung effizienter. Auch die Schritte nach einem Auftrag wurden deutlich beschleunigt. Da die Tischler ihre Arbeitszeiten und zusätzlich verwendetes Material direkt in der App eintragen, können Rechnungen schneller erstellt werden. Früher brauchte es teilweise mehrere Tage, bis die Rapportzettel im Büro ankamen und abgearbeitet waren. Heute kann die Kollegin im Büro innerhalb weniger Minuten die Rechnung fertigstellen und rausschicken. Dies hat die Liquidität von Sarahs Betrieb erheblich verbessert.

Und Sarah erhält mit dem integrierten Dashboard wertvolle Auswertungen über die Auftragslage. So kann sie schnell sehen, was sie in den kommenden Monaten an Umsätzen erwarten kann oder welche Auftragsarten besonders gut gehen. „Was mir auch positiv aufgefallen ist: Bei den Bewerbungen der Lehrlinge kommt es sehr gut an, dass wir unsere Aufträge digital organisieren. Für uns hat sich der Schritt sehr gelohnt.“

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