Wo steht das Handwerk im Jahr 2021 bei der Digitalisierung?

Durch die weltweite Corona-Pandemie haben viele Branchen einen wahren Digitalisierungsschub erlebt. Und das Handwerk? Wir haben nach Stimmungsbarometern und Studien geschaut, die einen Eindruck zur Digitalisierung des Handwerks vermitteln.

Seit vielen Jahren schon sind Begriffe wie ”Digitale Transformation“ und ”Handwerk 2.0“ im Umlauf – und tatsächlich setzen bereits zahlreiche Handwerksbetriebe auf digitale Technologien, um ihre Prozesse effizienter zu gestalten und Kundenbeziehungen zu verbessern. Doch hat die Corona-Pandemie für einen weiteren Schub gesorgt?

Teils teils, wie der Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021 aufzeigt. Die von der Deutschen Telekom in Auftrag gegebene Studie macht einerseits deutlich, dass rund ein Drittel der befragten Betriebe künftig ihre Prozesse digitalisieren wollen, rund drei Viertel möchte dafür auch künftig die Investitionen steigern oder auf gleicher Stufe beibehalten. Allerdings müssen auch nicht wenige Betriebe ihr digitales Engagement drosseln, weil sie infolge der Pandemie Kosten sparen müssen.

Aber gerade das Baugewerbe konnte nicht alle Chancen der Digitalisierung nutzen: Denn Themen wie Homeoffice, die für andere Branchen überlebensnotwendig waren, sind für Dachdecker, Elektriker, Heizungmonteure oder Maschinenbauer nicht möglich gewesen – ihr Know-how und ihr Geschick sind vor Ort auf den Baustellen und Einsatzorten gefragt.

Ein klares Ergebnis der Studie: Digitalisierung zahlt sich aus

Generell hinkt das Bauhandwerk im Digitalisierungsindex jedoch etwas hinterher. Ihr Digitalisierungsgrad liegt mit 53 Punkten leicht unter dem Durchschnitt von 57 Punkten. Aber es geht schrittweise voran. So nutzen bereits ein Drittel der befragten Bauhandwerksbetriebe Tools zur elektronischen Zeiterfassung. Ebenso viele setzen digitale Bautagebücher ein und verwenden Online-Portale, um neue Aufträge zu erhalten.

Darüber hinaus werden auch andere digitale Technologien wie die Überwachung und Wartung von technischen Anlagen aus der Ferne – das sogenannte Remote-Monitoring – sowie 3D-Druck oder die robotergestützte Prozessautomatisierung immer wichtiger.

Eines zeigt der Digitalisierungsindex sehr deutlich: Je höher der Grad der Digitalisierung, desto besser sind Handwerksbetriebe langfristig und auch in Krisen aufgestellt. Die in der Studie untersuchten digitalen Vorreiter erzielten teilweise doppelt so gute Ergebnisse bei der Neukundengewinnung, der Produkt- und Servicequalität, der Dauer der Auftragsabwicklung und nicht zuletzt bei der Höhe des Umsatzes. Investitionen in digitale Services und Technologien zahlen sich für Handwerksbetriebe demnach definitiv aus.

Bild 1: So digital ist das Handwerk

Digitales Engagement abhängig von verschiedenen Kriterien

Weitere interessante Erkenntnisse liefert die Studie ”Digitalisierungsbarometer für das Bau- und Ausbauhandwerk in Baden-Württemberg“. Sie offenbart, dass das Engagement zur Digitalisierung weniger von bestimmten Branchen und Gewerken abhängig ist, sondern vom Alter der Geschäftsführer sowie vom Standort, Umsatz und der Größe des Betriebs.

Je älter die Chefs, desto größer ist die Skepsis gegenüber neuen Technologien. Besonders aufgeschlossen sind dagegen größere Betriebe mit höheren Umsätzen. Ein wichtiger Punkt ist natürlich der Standort – und hier vor allem die Kapazität von guten Mobilfunk- und Breitbandnetzen. Denn ohne gute Infrastruktur verläuft jedes Digitalisierungsprojekt im Sande.

Der Digitalisierungsbarometer zeigt aber auch auf, dass gut drei Viertel der befragten Betriebe ihre Angebote bereits softwarebasiert erstellen und knapp 40 Prozent in die digitale Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren – immerhin. Dennoch fehlt vielen Handwerkern eine klare Digitalisierungsstrategie. Und auch bei der Umsetzung ist noch einiges an Luft nach oben. Also Ärmel hochkrempeln, es lohnt sich!

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